Higher & Standard Level

Mit Beginn des Schuljahres 2019/20 differenzieren alle Fachschaften/Fächergruppen zwischen zwei unterschiedlichen Lernniveaus: Higher Level versus Standard Level.

Sekundarstufe I – Umgang mit unterschiedlichen Lernniveaus: Higher und Standard Level an der DSL

1. Warum werden die beiden Bewertungsniveaus eingeführt?

Mit den unterschiedlichen Bewertungsniveaus wollen wir den individuellen Begabungen, Fähigkeiten einzelner Schüler oder Schülergruppen innerhalb der Schule und der einzelnen Lerngruppen besser gerecht werden. Alle Lernenden haben unterschiedliche Ausgangslagen und Begabungen, mit denen sie sich unterschiedlich schnell und umfangreich Kompetenzen aufbauen und Wissen aneignen können.  

Mit der Einführung der HL/SL verfolgen wir nachfolgende Absichten:

  • Die Ausgangslagen besser berücksichtigen zu können.
  • Den Lernstoff in ein Obligatorium und ein Addendum aufzuteilen; ersteres soll von nahezu allen Schülern bewältigt werden können, letzteres    berechtigt zum Fortgang im 8-jährigen Schulsystem mit dem Abschlussziel des Abiturs (DIA).
  • Wir wollen die Möglichkeit gewinnen, Schüler zunächst nach ihren individuellen Leistungen den jeweiligen Fächern einzuordnen und nicht per se als Gymnasiast, Real- oder Hauptschüler „abstempeln“ zu müssen.
  • Wir wollen grundsätzlich anschlussfähig an das deutsche dreigliedrige System bleiben, um eine Rückkehr nach Deutschland problemlos zu gewährleisten.
  • Zwei aneinander gekoppelte Leistungsskalen von 1-6 erweitern den Bewertungsspielraum für die Lehrkräfte. Die Inhalte sollen sich aber differenziert auf die beiden Bildungsabschlüsse ausrichten.
  • Schüler sollen durch eine passgenauere Zuordnung in einem Fach motivierter lernen können.
  • Schüler sollen Transparenz über ihren Leistungsstand im Verhältnis zur Gesamtklasse haben.

2. In welchen Fächern wurde Sie bereits eingesetzt?

Nach einer einjährigen Pilotphase in den Fächern Englisch und Deutsch gelten beide Niveaus ab dem Sj. 2019/20für alle Fächer.

3. In welchem Verhältnis stehen Noten des SL zu denen des HL?

Die Note 2 des HL entspricht der Note 1 im SL. Dies ist vor allem bei einem Wechsel in das innerdeutsche  Schulsystem relevant, In diesem Fall werden die Noten umgerechnet.
Denn es soll eine Betrachtung nicht auf eine bloße Umrechnung der Note reduziert bleiben. Es geht uns auch darum, die zu erwerbenden Kenntnisse und Kompetenzen auf beiden Stufen inhaltlich zu definieren und differenzieren.

4. Was unterscheidet HL vom SL?

Der HL berücksichtigt in stärkerem Maße den Einbezug der dritten Anforderungsbereiche (Transfer, Reflexion und Problemlösung) und basiert auf den Anforderungen unseres Schulcurriculums in Anlehnung an den Bildungsplan Baden-Württembergs sowie die Bildungsstandards für das Abiturs in Deutschland. Der SL reduziert diese Anforderungen in Ausrichtung auf das Realschulcurriculum in Baden-Württemberg und dem Realschulabschluss an den Deutschen Auslandsschulen.

    KMK Gewichtungen der Anforderungsbereiche.

5. Wer entscheidet über die Einstufung?

Die Entscheidung liegt bei der entsprechenden Fachlehrkraft, die diese mit dem jeweiligen Schüler abspricht. Eine Einstufung in HL oder SL in einzelnen Fächern hat (zunächst) keinen Einfluss auf die Schullaufbahn (GY/RS/HS).

In Absprache mit den Lehrkräften sollen Schüler an der Entscheidung beteiligt werden können, ob sie im HL die niedrigere Note in Kauf nehmen solange sie im HL bleiben, bzw. ob sie umgekehrt eine höhere Note im SL erhalten; je nachdem, welche Bewertung im Einzelnen als motivierender wahrgenommen wird.

Wenn mehrere Fächer abweichend im SL unterricht werden, berät die Zeugniskonferenz ob bezüglich der grundsätzlichen Einstufung/Differenzierung hinsichtlich Gym-nasium/Realschule eines Schülers eine Neueinstufung erfolgen soll. Die deutschen Auslandsschulen können diese Einstufung bis zum Ende der 8. Jahrgangsstufe aufschieben. Zu diesem Zeitpunkt legt die Zeugniskonferenz die Schullaufbahn eines Schülers spätestens fest und es gibt kein Widerspruchsrecht der Eltern mehr. Im Vorfeld hat ein solcher Widerspruch aufschiebende Wirkung.

6. Bis zu welchem Zeitpunkt in jedem Schuljahr findet die Einstufung der Schüler mit welchem Verfahren statt?

  • Die Schüler werden spätestens zur Beratungskonferenz (Ende Oktober) von der Lehrkraft in Rücksprache mit dem betreffenden Schüler in den SL bzw. HL eingeteilt. 
  • Grundlagen für die Einstufung sind die im Unterricht erbrachten Leistungen, der ersten schriftlichen Leistungsüberprüfung, die grundsätzlich auf dem HL erfolgt, sowie die Leistungen der Sonstigen Mitarbeit.
  • Ein Wechsel von SL zu HL oder umgekehrt ist nur zu Beginn eines Schulhalbjahres möglich.
  • Jede Fachlehrkraft informiert vor der ersten Beratungskonferenz über die Einstufungen in SL an die Klassenleitungen und Stufenkoordination (auch wenn alle Schüler im HL unterrichtet werden!).
  • Die Information an die Eltern wird als Übersicht über alle Fächer von der Klassenleitung versandt.

7. Welche Möglichkeiten bietet das System, sich dem unterschieldichen Lerntempo in verschiedenen Kompetenzbereichen anzupassen?

Beispiel Sport: Was passiert, wenn ein Schüler in einem Bewegungsfeld im HL ist, im nächsten aber im SL (innerhalb eines Halbjahres werden mehrere Bewegungsfelder abdeckt!) – Welche Einstufung?
 

Schüler können nicht immer gleichbleibende Leistungen in allen Bereichen erbringen. Ein in HL eingestufter Schüler braucht in einer bestimmten Phase ggf. mehr Zeit, oder spezifische Hilfestellung, andere Fragestellungen, die soll er auch erhalten, damit er dauerhaft auf dem HL Leistungen bringt.
Ist aber ein klare Tendenz in allen Leistungen des Schülers zu erkennen, dass er ohne die Hilfen und Unterstützung nicht selbständig arbeiten kann, muss mit ihm über eine Umstufung nachgedacht werden.

8. Wie wird das Lernniveau auf den Arbeiten und den Zeugnissen gekennzeichnet?

Der HL wird auf den Zeugnissen und den Klassenarbeiten nicht gekennzeichnet. Er wird als Regelniveau angesehen, da es erwartbar ist, dass 80-90% der Schüler an der DSL gegenwärtig auf diesem Niveau arbeiten. Der Standard Level wird generell durch das Kürzel SL hinter der Note oder dem Fach gekennzeichnet.

9. Ab welchem Zeitraum gilt die Einstufung in einem Fach?

Nach der ersten schriftlichen Leistungsmessung wird die Einstufung durch die Fachlehrkraft im Benehmen mit dem Schüler vorgenommen. Ggf. werden vorher erbrachte Leistungen und Noten entsprechend des neuen Niveaus eingerechnet.

10. Auf welcher Grundlage wird ein Schüler in den Gymnasialzweig der 9. Klasse versetzt?

Der Schüler muss zum Ende der 8. Jahrgangsstufe in der Regel mindestens 6 Fächer im HL vorweisen können: Deutsch und Mathematik, eine Fremdsprache, eine Gesellschaftswissenschaft und zwei Naturwissenschaften. Die Zeugniskonferenz muss ihn zudem hinsichtlich des Arbeitsverhaltens, der Auffassungsgabe und des Entwicklungsvermögens für die achtjährige Schullaufbahn mit dem Ziel des Abiturs mehrheitlich empfehlen.

11. Warum werden zwei Naturwissenschaften zur Grundlage der Entscheidung gemacht? Können auch Sport/Musik und Kunst Berücksichtigung finden?

Der Schwerpunkt mit zwei Naturwissenschaften liegt an den Zugangsvoraussetzungen für die Oberstufe, für die mind. zwei Naturwissenschaften gefordert sind.

 

12. Was folgt auf die Einstufung in den SL in einem Fach?

Der Schüler erhält im Unterricht einen Überblick über die zu erbringenden Leistungen und zu erwerbenden Kenntnisse und Kompetenzen.

Er erhält im Unterricht in angemessener und vom Fachbereich beschriebener Weise differenzierte Materialien und/oder Aufgaben und Vorgaben (z.B. mehr Zeit, anderer Umfang, anderer Schwierigkeitsgrad etc.).

Er erhält seine Noten in den entsprechenden Fächern auf der Grundlage der Skala des SL.

13. Welche Formen der Differenzierung zwischen SL und HL werden in Klassenarbeiten typischer Weise angewandt?

Es werden die bekannten Formen von innerer Differenzierung angewandt (z.B. Länge, Schweirigkeitsgrad, Menge und Komplexität der Aufgaben, unterschiedlicher Erwartungshorizont).

Die Fachbereiche/Fächergruppen der DSL haben jeweils dazu Muster und Handreichungen als verbindliche Absprachen vorgelegt.